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Moskauer Tänzerin gewinnt den ersten Science Slam in Russland

 

Dass man Politik sogar tanzen kann, hat die Gewinnerin des ersten Russisch-Deutschen Science Slams in Moskau bewiesen. Irina Matveeva ist Anfang 20 und hat gerade ihren Abschluss als Diplom-Verwaltungswirtin in der Tasche. Wenn sie nicht gerade für Prüfungen paukte, überlegte die Moskauer Studentin, wie sie ihr Hobby und ihr Studium unter einen Hut bringen könnte. Ihre Chance – der Science Slam, eine Wissenschaftsshow, bei der es um die Präsentation wissenschaftlicher Ergebnisse in einem unterhaltsamen Format geht. In zwei Slamrunden hat sich die Moskauerin Mitte September gegen elf andere Forscher - fünf davon aus Russland, sechs aus Deutschland-durchgesetzt. Bei der großen Show am 14. September auf der Mega-Bühne im Gorki-Park war sie mit ihrer Tanzperformance, die das Zusammenspiel zwischen dem Staat und der Zivilgesellschaft in Frankreich und Russland im Vergleich darstellte, die absolute Favoritin des Publikums. An zweiter Stelle kam Anton Yarkin, ein Ingenieur aus Tjumen, der die optimale Nutzung von Baumaschinen im sibirischen Winter erforscht.

Aber auch die anderen Beiträge stießen auf großes Interesse beim Publikum, das es sich an einem spätsommerlichen Herbstabend auf großen Kissen im Gorki Park gemütlich gemacht hatte. Mehr als 600 Menschen verfolgten die Wissenschaftsshow auf der großen Bühne am Ufer der Moskwa. Egal ob Marketing-Polka, Placebo-Effekt oder tibetische Heilpflanzen – es gab eine Menge zu erfahren und viel zu lachen. Das Prinzip Science Slam, der in Russland zum allerersten Mal stattfand, ging voll auf. Und vielleicht findet er bald eine Fortsetzung.

Was ist ein Science Slam?
Kurz gesagt: ein Wettbewerb im Vortragen von wissenschaftlichen Ergebnissen. Das, worüber junge Wissenschaftler sonst nur im Labor oder im Seminarraum sprechen, kommt hier auf die ganz große Bühne. Und das Publikum ist die Jury, die am Ende der Veranstaltung den Slam-Champion kürt.

Jeder Teilnehmer hat zehn Minuten, um dem Publikum seine Forschungsergebnisse vorzustellen. Ob herkömmliche Powerpoint-Präsentation oder Ausdruckstanz, freie Rede oder Experimente auf der Bühne – erlaubt ist, was dem Publikum gefällt. Bei der Bewertung geht es nicht vorrangig um den wissenschaftlichen Wert der Arbeit. Vielmehr entscheidet eine verständliche und unterhaltsame Darstellung des Forschungsthemas. Wer hat den pfiffigsten Vortrag gehalten? Wer hat es am besten geschafft, sein Thema verständlich rüberzubringen? Nur der bekommt den meisten Applaus und gewinnt.

Wer veranstaltet den Science Slam in Moskau?
Der 1. Russisch-Deutsche Science Slam in Moskau wird vom Deutsch-Russischen Forum organisiert, in Kooperation mit scienceslam.net, einem Netzwerk von Veranstaltern, die auch in 14 deutschen Städten Science Slams ausrichten. Gefördert wird der Science Slam in Moskau vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Goethe-Institut Moskau. Des Weiteren unterstützen uns die Technische Bauman-Universität Moskau, das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus Moskau (DWIH), Knauf Gruppe GUS, REHAU AG + CO, Evonik Industries AG, ООО Lanxess, OOO Rödl & Partner, AHK Russland, TUI Russia und das LSI Bochum. Medienpartner sind GEO Russia, Russland heute und die Moskauer Deutsche Zeitung. Das Projekt wird aus Mitteln des Deutschlandjahres in Russland 2012/13 gefördert.


Die Sieger im Porträt

1. Platz: Irina Matveeva aus Moskau
Wie bringt man das Thema Zivilgesellschaft und modernen Tanz unter einen Hut? Man macht beim Science Slam mit. Für die Moskauerin Irina Matveeva ist dies die optimale Gelegenheit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. So will die passionierte Tänzerin dem Publikum mit Bewegungen, Gesten und Tönen erklären, wie wichtig die Regierung für das Gedeihen von zivilgesellschaftlichen Strukturen ist und welche Rolle der Bürger selbst in diesem Prozess spielt. Dass die Absolventin der Verwaltungshochschule mit ihrer ausdrucksstarken Form der Präsentation das Publikum selbst für ein trockenes Politikthema begeistern kann, ist gewiss, schließlich hat sie Bühnenerfahrung und tanzt, seit sie fünf ist.

2. Platz: Anton Yarkin aus Tjumen
Im sibirischen Tjumen herrscht Kälte die längste Zeit im Jahr. Da liegt es nahe, dass sich auch ein Wissenschaftler wie Anton Yarkin dieses Themas annimmt. Der promovierte Transporttechnologe, der als Dozent an der Staatlichen Erdöl- und Erdgas-Universität unterrichtet, hat Spezialmaschinen unter extremen klimatischen Bedingungen getestet. Seine Idee – die Wärme und Abgase des Verbrennungsmotores zur Optimierung der Arbeitsprozesse zu nutzen. Der Science Slam, so Yarkin, sei für ihn wie ein frischer Luftzug, um junge Leute für die Wissenschaft zu begeistern.

Weitere Informationen: www.deutsch-russisches-forum.de