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Adulte Stammzelltransplantation im Dialog

 

Webbasiert, international und innovativ:
Maximow-Wettbewerb vernetzt junge Stammzellforscher

Wie funktioniert der Weg von der wissenschaftlichen These zur viel zitierten, international renommierten Publikation? Wie lässt er sich für junge Stammzellforscher trotz sprachlicher und kultureller Barrieren ebnen? Um genau diese Fragen zu klären, riefen im Deutsch-Russischen Wissenschaftsjahr zwei der größten Transplantationszentren Europas im Rahmen des Projekts „Adulte Stammzelltransplantation im Dialog“ zu einem außergewöhnlichen Nachwuchswettbewerb auf, zum Online-Wettbewerb um den „Maximow Award for Cellular Therapy and Transplantation“.

Passend zum 20-jährigen Kooperationsjubiläum haben die Kliniken für Stammzelltransplantation des UK Hamburg-Eppendorf und die Staatliche Medizinische Pavlov-Universität St. Petersburg die Idee für das Projekt entwickelt, zusammen mit der Open Access Zeitschrift „Cellular Therapy and Transplantation“ (CTT). Es zielt darauf ab, insbesondere den Austausch zwischen deutschen und russischen Stammzellforschern zu unterstützen und talentierten Nachwuchs zu fördern – und zwar mit dem neukonzipierten Wettbewerb um den „Maximow Award for Cellular Therapy and Transplantation“. Benannt ist er nach dem russischen Wissenschaftler Alexander A. Maximow (1874-1928), der in Sankt Petersburg, Freiburg und Berlin Medizin studierte und im Jahr 1909 in Berlin das erste Stammzellmodell der Blutbildung vorstellte.

 

Open Access zum Wissenschaftsdialog

Da sich insbesondere das Gebiet der Stammzelltransplantation immer noch in der Entwicklung befindet und permanent mit neuen Erkenntnissen konfrontiert ist, bildet die webbasierte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern unterschiedlicher Länder eine zusehends wichtigere Grundlage der Forschung. Doch für junge Wissenschaftler ist es oft nicht leicht, ihre Erkenntnisse in renommierten Journalen zu publizieren und Zugang zur Forschungscommunity zu bekommen. Das sollte sich mit dem Maximow Award ändern. Die Teilnahme sollte jungen Stammzellforschern den Weg ebnen, ihnen insbesondere den Umgang mit internationalen Standards sowie mit neuen Formen des Publizierens und der wissenschaftlichen Diskussion näherbringen und sie untereinander vernetzen. Der Maximow Award wurde im September 2011 erstmals der Fachöffentlichkeit vorstellt, zum „5th Raisa Gorbacheva Memorial Meeting on Hematopoietic Stem Cell Transplantation in Children and Adults“ in Sankt Petersburg (siehe DRWJ-Topthema). Einen passenderen Anlass hätte es kaum geben können.

 

Webbasierte Zusammenarbeit

Startschuss für den Wettbewerb war der 1. Oktober 2011, Austragungsort das seit einigen Jahren etablierte Open-Access Journal "Cellular Therapy and Transplantation". Auch der Wettbewerb selbst wurde vom international besetzten Maximow-Award-Team online konzipiert, angefangen von der Werbung – etwa durch Anzeigen auf dem Karriereportal Kisswinund dem russischen Open-Access Journal KTTI– über die Einrichtung der Internetplattform auf dem CTT-Open-Access Journal bis hin zur Unterstützung der Teilnehmer bei allen Fragen der wissenschaftlichen Online-Zusammenarbeit.

 

Grenzenlose Perspektiven

 

Ilya Yadigerovich Bozo (links), der Gewinner des Maximow-Award, zusammen mit Herrn Prof. Axel Zander, vormaliger Chef der Klinik für Stammzelltransplantation am UKE und Initiator des Wettbewerbs.

Ilya Yadigerovich Bozo (links), der
Gewinner des Maximow-Award, zusammen
mit Herrn Prof. Axel Zander, vormaliger
Chef der Klinik für Stammzelltransplantation
am UKE und Initiator des Wettbewerbs.

In der 1. Wettbewerbs-
runde richtete das Maximow-Team ein Diskussionsforum ein: Hier konnten die Wissenschaftler bis 35 Jahre zunächst einmal anonym ihre Beiträge zu 14 Forschungsfragen auf dem Gebiet der adulten Stammzelltransplantation einstellen und diskutieren – und zwar in drei Sprachen, auf Englisch, Deutsch und Russisch. Mit jedem Beitrag konnten sie, unterstützt durch ein Moderatoren-Team, Erfahrungen mit internationalen Publikationsstandards sammeln und sich zugleich für den Wettbewerb qualifizieren: Jeder Beitrag wurde nach einem Punktesystem bewertet. Im nächsten Schritt konnten die besten Teilnehmer unter ihrem Namen einen Short Report oder Review zu ihrer Arbeit einreichen, der dann von einer Stammzellexperten-Jury bewertet wurde. Die Gutachter waren vom hohen Niveau der Beiträge beeindruckt und wählten in einem anonymen Peer Review drei Beiträge aus – sie alle waren von russischen Nachwuchswissenschaftlern. Platz 1 ging an Ilya Ya. Bozo (siehe Portrait), Platz 2 an Sergey A. Sergeev & Ylia V. Khramova und der 3. Platz an Konstantin G. Shevchenko. Neben einer Geldprämie erhielten sie eine Einladung zum renommierten Wilsede-Meeting „Modern Trends in Human Leukemia and Cancer“ (16.-20.06.12). Dort hatten die Maximow-Gewinner erstmals Gelegenheit, ihre Arbeiten der internationalen Forschungscommunity vorzustellen. Auch alle anderen Teilnehmer traten ins Licht der Fachöffentlichkeit, etwa mit der Publikation ihrer Beiträge auf dem CTT Open Access Journal.

 

Gut vernetzt für die Zukunft

In einer weiteren, nicht altersbegrenzten Wettbewerbsphase erstellte das Maximow-Award-Team einen Blog, auf dem Beiträge zum Wettbewerb gepostet und auch diskutiert werden konnten. Dort entwickelte sich eine englischsprachige Fachdebatte zwischen jungen und älteren Wissenschaftlern zu Fragen der Stammzellbiologie und -therapie. So wurde die Preisfrage zu hämatopoetischen Stammzelltransplantations-Terminologie rege diskutiert, wobei über die wissenschaftlich zitierbaren Beiträge abstimmt werden konnte. Dieses „Open Voting“ stand unter demselben Motto wie der gesamte Wettbewerb: wissenschaftliche Offenheit und uneingeschränkter Zugang zu wissenschaftlichen Informationen. Auch hier wählte das Moderatoren-Team Gewinner aus, sie kamen aus Philadelphia (A. Berseniev), Moskau (I. Bozo) und Mailand (K. Gupta) und erhielten ein Preisgeld und die Möglichkeit, mit den Gewinnern der 1. Runde in Kontakt zu kommen. Wer weiß, vielleicht diskutieren sie in diesem Moment neue Ansätze der Transplantationsforschung?

Der Maximow Award hat mit seinem neuartigen Konzept für einen konstruktiven Wissensaustausch jenseits aller Hierarchie- und Ländergrenzen gesorgt. Gerade jungen Wissenschaftlern bot er die Möglichkeit, ihr Wissen zu zeigen, es offen und fair diskutieren und somit Teil der internationalen Forschergemeinschaft werden. Diese Erfahrungen reichen weit über das Projekt und das Deutsch-Russische Wissenschaftsjahr hinaus.

„Das im Deutsch-Russischen Wissenschaftsjahr geförderte Projekt „Adulte Stammzelltransplantation im Dialog“ hat in der Tat den Dialog gefördert, auf allen Ebenen: Vor allem jungen Wissenschaftlern bot die Teilnahme am Maximow Award neue Perspektiven – angefangen vom fachlichen Austausch über wissenschaftliche Publikationen in einem anerkannten Open-Access Journal bis hin zur Teilnahme an einem der renommiertesten Hämatologie/Onkologie-Meetings in Deutschland. Unsere Klinik in Hamburg hat durch die Anbahnung neuer wissenschaftlicher Kontakte zu Stammzellforschern in Moskau unmittelbar von dem Wettbewerb profitiert. Auch das Projektteam hat nicht nur praktische Erfahrungen bei der Umsetzung eines wissenschaftlichen Online-Contest, sondern auch viele neue Ideen gesammelt, die ihm bei der Planung und Durchführung der nächsten Runde des Wettbewerbs helfen werden.“

Prof. Dr. rer. nat. Boris Fehse, Leiter der Forschungsabteilung Zell- und Gentherapie, Interdisziplinäre Klinik und Poliklinik für Stammzelltransplantation am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

„Für mich ist die deutsch-russische Wissenschaftskooperation deshalb wichtig, weil sie mir die Möglichkeit eröffnet, eigene Erfahrungen und Ergebnisse der Forschung mit internationalen Experten auszutauschen. Dies ist von grundlegender Bedeutung sowohl für meine wissenschaftliche Karriere als auch für die Entwicklung unserer wissenschaftlichen Projekte im internationalen Kontext. Zudem gibt mir die Zusammenarbeit die Möglichkeit, persönliche Kontakte auf internationaler Ebene zu knüpfen, nicht zuletzt durch die Teilnahme an internationalen Wettbewerben. So erlaubte mir auch die erfolgreiche Teilnahme am Maximow Award 2011/2012, sowohl meine eigenen Forschungserfahrungen darzustellen als auch neue Ideen zu sammeln.“

Ilya Yadigerovich Bozo (Portrait), gewann den 1. Preis. 

Interessanter Link: Interview KITTI.

 

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